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Dienstag, 1. November 2016

Karl-Marx-Haus Trier

1.11.2016

Im Geburtshaus von Karl Marx in Trier, wo Karl Marx 1818 geboren wurde


Die Ausstellung beginnt mit der Geschichte des Hauses vor und nach seiner Widmung als Museum.


Zitate u.a. von Willy Brandt finden sich an den Wänden


Über die Familiengeschichte von Marx und den Frühsozialismus


Die ersten wissenschaftlichen Arbeiten und der Beginn der Zusammenarbeit mit Friedrich Engels


Einige der millionenfachen Ausgaben des Kommunistischen Manifests von 1848.


in der Ausstellung


Manuskript der Ökonomischen Manuskripte


Marx und die Arbeiterbewegung


Die Schrift von Marx, die mich selbst am nachhaltigsten beeindruckt hat.


Hof


Geschichte der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung und des Marxismus


Die kommunistischen Diktaturen, die sich für ihre gewalttätige Parteielitenherrschaft auf Marx beriefen.


Der Computer, auf dem das Parteiprogramm der nach dem Zusammenbruch der DDR neuentstandenen sozialdemokratischen Partei geschrieben wurde.


Aus China kommen viele Touristinnen und Touristen. Der Ausstellungsteil über Unterdrückung in den kommunistischen Parteidiktatur wird ihnen wohl weniger gefallen.


Marx-Fanartikel, von Magneten bis hin zu Schokolade

Freitag, 31. Dezember 2010

Prokla 159



PROKLA 159
Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft
40.Jg., Nr.2, Juni 2010
154 S.







Im der Auseinandersetzung mit Marx gewidmeten Heft blieb ich insbesondere bei dem Artikel Marx und die politische Philosophie der Gegenwart von Urs Marti hängen. Er beschäftigt sich mit der, in der akademischen Philosophie verneinten, Frage, ob der Marxismus eine politische Philosophie ist. Angegangen wird die Frage anhand der Begriffe von Liberalismus und Moderne, Staat, Recht, Gerechtigkeit, Freiheit und Politik und im Vergleich mit politischen Philosophen. Spannend dabei, daß die Frage der Gerechtigkeit des Kapitalismus, die heute so stark bewegt, bei Marx keine Rolle spielt. Im Zentrum stehen hier bei ihm vielmehr die Themen der Freiheit und Selbstbestimmung gegen die Unterdrückung durch das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem. Was hingegen den Begriff der Gerechtigkeit betrifft, so teilt Marx, anders als Rawls, mit Hobbes die Ansicht, dass er nichts weiteres bezeichnet als die Einhaltung der Regeln einer bestehenden Rechtsordnung, wobei in seiner Sicht diese Ordnung geprägt wird durch die Produktionsweise. schreibt Marti. Mit Marx für Freiheit und gegen Gerechtigkeit, das wäre eine erfrischende linke Parole.

Freitag, 27. März 2009

Europäische Rundschau 2009/1




Europäische Rundschau
1/2009
132 S.







Das Heft enthält einen informativen Artikel von Klaus Schrameyer über das gespannte Verhältnis von Mazedonien und Griechenland sowie einige interessante Buchbesprechungen.

Am spannendsten ist der sehr persönliche Essay Karl Marx aus dem Blickwinkel eines osteuropäischen Intellektuellen des ungarischen Ökonomen János Kornai. Er selbst beschreibt sein Denken, einem Engels-Zitat folgend, als "eklektische Armensuppe", beeinflußt von Marx, Schumpeter, Keynes und Hayek. Marx im Spiegel seiner Biographie, des 1928 in bürgerlichen Haushalt geborenen, 1945 unter Eindruck der Befreiung von Faschismus und Nazismus Kommunist und Marxist (in dieser Reihenfolge) gewordenen, dem in den fünfziger Jahren Zweifel an der Richtigkeit des politischen Systems kamen (die Kenntnis von Geheimpolizei und Folter führte zum "Zusammenbruch der ethischen Grundlage" seiner Überzeugungen) und der als Ökonom schließlich an die Grenzen der marxistischen Theorie zur Erklärung der Wirtschaft stieß.
Kornai wendet sich strikt gegen die Argumentation, man könnte das von Lenin und Stalin geprägte Ostblock-System von den Ideen Marx' trennen. Kornai meint, daß Marx als kritischer Geist wohl zutiefst entsetzt gewesen wäre, wenn er Folterkeller und sibirische Lager gesehen hätte, durch eine Geringschätzung der Demokratie aber "intellektuelle Verantwortung" trage: "Marx ignoriert das Problem als solches, das heißt, den ganzen Problembereich des institutionellen Schutzes der Menschenrechte und Freiheiten. Diese Geringschätzung haben sowohl Lenin als auch seine getreuen Anhänger verinnerlicht." Intellektuelle Verantwortung - Verantwortung nicht im strafrechtlichen und nicht im ethischen Sinn, wie Kornai schreibt.
Er stellt aber auch fest, Marx "überflutet" uns "mit Gedanken und Analysemethoden", deren manche - im angesprochenen eklektischen Sinn - immer nochgültig seien und mithelfen, die Welt von heute besser zu verstehen. Kornai nennt hier u.a. den Stellenwert der schöpferischen und zerstörerischen Kraft des Kapitalismus, den Begriff des Kapitalismus in seiner Theorie der aufeinanderfolgenden Produktionsweisen oder Marx' Rolle als Pionier und Praktiker der Interdisziplinarität als Ökonom, Soziologe, Politologe und Historiker.

Ich bin ja so sehr Historiker, daß ich Schriften wie z.B. die von Marx meist im historischen Kontext denke und nicht im Sinne einer steinbruchartigen Zitatklauberei oder der Anwendung auf aktuelle Politik. Ein wohl unpolitischer, aber mein Zugang: Gestern als interessanter als heute oder gar morgen.
So brauche ich nicht Marxist zu sein und auch nicht Eklektiker, um manches für irrsinnig faszinierend und anderes für unverständlich oder falsch zu halten.

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Prokla 151



PROKLA 151
Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft
38.Jg., Nr.2, Juni 2008
171 S.







Gesellschaftstheorie nach Marx und Foucault ist das Thema dieser Prokla-Ausgabe. Leider wird der Begriff Gesellschaftstheorie eher philosophisch als historisch/soziologisch aufgefaßt, was mehr meinem Interesse entsprochen hätte.

Mut zur Lücke: Ich habe mich nie mit Foucault beschäftigt. Das bedeutet keine Geringschätzung, sondern schlicht mangelndes Interesse an Themenstellung und v.a. Herangehensweise. Und ich muß zugeben, daß die Chiffre Foucault für mich für "sperrig" gestanden ist und auch weiter steht. Leider sind auch hier Beiträge in einer Sprache verfaßt sind, die für mich zu unverständlich ist - und ich hab' jetzt auch nicht nur die kleine Matura (4 Jahre Volksschule und eine Tanzstunde) und schon das eine oder andere gelesen. Dafür bin ich dann doch zu theoriedistanziert und kann zu wenig mit philosophischer Begriffsverliebtheit anfangen, um etwa Urs Lindners Artikel über "Antiessentialismus und Wahrheitspolitik" mit Gewinn lesen zu können und Sätze wie "Die Klasse gewinnt sich aus der kapitalistischen Vergegenständlichung in einem Prozess der Bildung zur bewussten Klasse" von Alex Demirović als interessant zu bewerten und nicht einfach nur als seltsame Sprache.

Daß es auch anders gehen kann zeigt im selben Heft etwa Alex Schärer in seinem lehrreichen Artikel über Ökonomiebegriff und Machtanalytik von Foucault und Marx im Vergleich ("Zugespitzt kann man sagen: Wer die Gemeinsamkeiten von Foucault und Marx betont, spricht nicht von der Ökonomiekritik, und wer die Unterschiede betont, tut dies aus einer ökonomiekritischen Perspektive.").

Außerhalb des Schwerpunkts gibt es einen viel Hintergrund bietenden Artikel von Jürgen Hoffmann und Rudi Schmidt über den Lokführer-Streik letztes Jahr in Deutschland, der ja die Frage aufgeworfen hat, ob das gewerkschaftliche Interessenvertretung, die Solidarität erfordert, war oder abzulehnendes spalterisches Standesdenken. Aus der österreichischen Perspektive oft schwer zu verstehen, hat der Text einiges klarer gemacht. Die Autoren sehen das Agieren der Lokführergewerkschaft als "sehr amerikanisch, man gibt sich unideologisch und handelt streikradikal", was man angesichts der gesellschaftlichen Widersprüche im Neoliberalismus als symptomatisch ansehen könne, aufgrund der besonderen Ausgangslage im deutschen Bahnwesen mit drei Gewerkschaften in einem Monopolunternehmen aber kaum kopierbar sei.

Freitag, 11. April 2008

Transit 34



Transit 34
Europäische Revue
Winter 2007/2008
172 S.







Der eine Schwerpunkt des Hefts gilt dem polnischen exkommunistischen katholischen Philosophen Leszek Kołakowski, vom kommunistischen Regime als Dissident aus dem Land vertrieben. Von ihm ist auch ein Artikel aus dem Jahr 1957, Was ist Sozialismus?, abgedruckt, eine beindruckende, prägnante, kraftvolle Anklage des kommunistischen Systems. Die Artikel von Tony Judt und John Gray widmen sich dem Werk, mit dem auch ich den Namen Kołakowski automatisch verbinde, seine in den 70er Jahren erschienenen, in ihrer Breite und Tiefe imposanten Hauptstömungen des Marxismus. Es ist eine Ideengeschichte, wie sie nur von einem Philosophen/einer Philosophin geschrieben werden kann. Ich hab' nur ganz wenig daraus gelesen, und das auch schon vor Jahren. Abgesehen davon, daß mir die harten Bewertungen und Thesen damals nicht gefallen haben, etwas was das Werk aber eigentlich positiv auszeichnet, war mir das zu entkontextualisiert. Da hab' ich wohl einen anderen Zugang, mich interessieren die historischen und sozialen Bedingungen des Gedachten und Geschriebenen und nicht nur dessen reine Substanz. Krzysztof Michalski macht in seinem Beitrag über die Philosophie Kołakowskis deutlich, daß dessen Hauptbeschäftigung seither religiösem Zeugs galt und gilt, die Beschäftigung mit dem Sozialismus hat er nach den drei dicken Bänden de facto abgeschlossen.

Aber zu Judt und Gray: Sie orientieren sich in ihren Artikeln eng an Kołakowskis Position, daß Marx' Philosophie "einige praktische Konsequenzen nach sich zog, die unbeschreibliches Leid und Elend über die Menschheit bringen sollten: Privateigentum und Markt sollten abgeschafft und durch universale, alles umfassende Planung ersetzt werden - ein völlig unmögliches Projekt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bemerkten namentlich Anarchisten, dass die solchermaßen verstandene marxistische Doktrin eine gute Blaupause für die Umformung der menschlichen Gesellschaft in ein gigantisches Konzentrationslager war. Natürlich lag dies nicht in Marxens Absicht, aber es war die unausweichliche Auswirkung der wohlwollenden gloriosen und endgültigen Utopie, die er ersann." (Kołakowski im neuen Vorwort der englischen Neuausgabe der Hauptströmungen, zit. nach Gray, S.47).
Tony Judt hat recht, die zynische Anwendung der Dialektik zwecks Verdrehung der Geister und Tortur der Leiber entging den westlichen Marxismusexegeten für gewöhnlich, die sich lieber in die Kontemplation vergangener Ideale oder künftiger Aussichten versenkten und von unbequemen Nachrichten aus der sowjetischen Gegenwart, besonders wenn sie von Opfern oder Zeugen stammten, unbewegt blieben." Und auch wenn er konzediert, daß man "Karl Marx, einen deutschen Autor, der im viktorianischen London lebte, wohl kaum in irgendeiner gedanklich nachvollziehbaren Weise für die russische oder chinesische Geschichte des 20. Jahrhunderts verantwortlich machen" (Judt), klebt er an dem Schluß, es wäre "die leninistische Version des Marxismus ... wenngleich nicht die einzig mögliche, ziemlich plausibel" (Kołakowski) gewesen.

Kołakowski rezipiert Marx als Philosoph, nicht als Ökonom, Historiker, Soziologe, gerade letztere beiden Eigenschaften sind aber seine größten Stärken. Also ich bin von Marx' Bürgerkrieg in Frankreich und dem 18. Brumaire des Louis Bonaparte jedesmal wieder ganz schwer beeindruckt. V.a. Judt solidarisiert sich cum ira et studio mit Kołakowski so überschäumend, daß er in seiner berechtigten Verurteilung der kommunistischen Gewaltregimes und Gewaltideologie, nicht zur Kenntnis nimmt, wie anregend es sein kann, Marx als produktive intellektuelle Fundgrube und nicht als Prophet und Überbauer eines Gewaltregimes zu sehen. Als Steinbruch, nicht als Religion ist Marx ergiebig - und ist historisch-kritisch zu lesen, wie alles und jeder, denn natürlich steht auch viel Blödsinn drinnen und natürlich ist Marx nicht als Πολιτεία oder Νόμοι zu sehen (und ich mag Platon! - historisch-kritisch gelesen). Aber das kommt davon, wenn man Marx als idealistischen deutschen Philosophen in christlich-mystischer Tradition nimmt. Ein seltsamer Artikel Judts, der wirkt als wäre er in der Hochphase des Kalten Kriegs von einem Propagandisten und nicht heute von einem eigentlich gescheiten Historiker geschrieben worden.

Der zweite Schwerpunkt der Ausgabe gilt Anna Politkowskaja, einer bewundernswerten, heldinnenhaften russischen Journalistin, die die Verbrechen des Tschetschenienkriegs aufdeckte und anprangerte und dafür ermordet wurde.

Samstag, 22. März 2008

Das Manifest - heute



Eric Hobsbawm u.a.
Das Manifest - heute
150 Jahre Kapitalismuskritik
Hamburg ²2000 (VSA)
300 S.







Das 1998 zum 150-jährigen Jubiläum des Kommunistischen Manifests von Karl Marx und Friedrich Engels erschienene Buch beinhaltet einige Beiträge verschiedener AutorInnen. Eine überwältigende Fülle von Gedanken.
Eric Hobsbawms Artikel bringt die Faszination des Manifests auf den Punkt, wenn er schreibt, "was 1848 einem unvoreingenommenen Leser als revolutionäre Rhetorik oder bestenfalls als eine plausible Prognose erscheinen mochte, kann heute als eine knappe Beschreibung des Kapitalismus am Ende des 20. Jahrhunderts gelesen werden. Von welchem anderen Dokument aus den zehn Jahren nach 1840 läßt sich das sagen?" Michael Krätke unterstreicht seine Bedeutung für die sozialwissenschaftliche Theorie: "Im Manifest wird der Prozeß der Modernisierung als höchst ambivalenter Vorgang beschrieben, als historischer Prozeß, der, einmal in Gang gesetzt, sich keineswegs in gerader Linie fortbewegt, bis der ursprüngliche Impetus sich einmal erschöpft hat, sondern in "Widersprüchen", durch heftige Krisen und Konflikte hindurch, in Sprüngen und vielfachen Brechungen weiter geht." Ellen Meiksins Wood widmet sich dem historischen Kontext von Marx' Kapitalismusanalyse. Wolfgang Fritz Haug betont, wie bedeutend es ist, daß die kapitalistische Entwicklung widersprüchlich ist, der Kapitalismus nicht das "unwidersprüchlich Negative" ist und zwischen Kampf gegen die Globalisierung und Kampf gegen neoliberale Globalisierungspolitik zu unterscheiden: "Ist nicht die gegenwärtig noch immer sich herausbildende transnationale und high-tech-kapitalistische Produktionsweise dabei - in wie immer barbarischen Formen von Brot und Spielen in einem Rahmen von Gewalt -, die "kulturelle Vereinigung der Menschheit" voranzutreiben?" so wie das Manifest es vor 160 Jahren analysierte.
Frigga Haug macht sehr interessante "Feministische Anmerkungen" zum Manifest, zur unterbelichteten oder verqueren Beleutung der Geschlechterverhältnisse darin.
Boris Kagarlitzky plädiert für eine Rückkehr zum Marxismus, "der Klasse wieder eine zentrale Stellung im politischen Denken der Linken einzuräumen"; er meint, ein "Aufruf, die traditionellen Werte wieder aufzunehmen, hat nichts damit gemein, den Dialog abzulehnen oder ein hermetisches Leben zu führen. ... Seit der Zeit der Reformation ist Neotraditionalismus die Ideologie der Revolutionäre gewesen." Ebenso sind die Artikel von Colin Leys/Leo Pantich und Joachim Bischoff sehr anregend, gerade wenn man ihnen nicht an jedem Punkt zustimmt.
Auch wenn mir manches zu Sowjetkommunismus-fixiert ist, weil man die Aktualität des Marxismus meiner Meinung nach auch nicht in der Kontrastierung zur sowjetischen Entwicklung deutlich machen kann, da schon Lenin zwar ein Revolutionär, aber alles andere als ein sozialistischer Leitstern war. Schon Marx ja gemeint, daß er kein Marxist ist, wenn Marxismus das ist, was dessen damalige Verfechter darunter verstehen. Hab' ich ein Patentrezept des Sozialismus? Nein. Haben Marx und Engels eins gehabt? Nein. Man muß nicht immer recht haben, wenn man Prognosen macht, diese sind bekanntlich insbesondere dann schwierig, sofern sie die Zukunft betreffen. ÖkonomInnen und MeterologInnen scheitern regelmäßig trotz wissenschaftlichem Bemühen daran. Marx und Engels haben aber eine Grundlinie vorgezeichnet: fundierte Kritik statt Träumerei. Daran kommt man nicht drum herum.

Montag, 10. März 2008

Manifest


Karl Marx / Friedrich Engels
Manifest der Kommunistischen Partei
Grundsätze des Kommunismus
Nachw.v. Iring Fetscher
Stuttgart 1995 (11969/1989) (Reclam)
95 S.






Vor zweieinhalb Wochen vor 160 Jahren ist das Kommunistische Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels erschienen. Irgendwann vor ca. 12-13 Jahren ist ein etwas unsicherer, schwarz angezogener Langhaariger in die Kleinstadt-Buchhandlung gegangen und hat nach etwas von Marx gefragt. Hat man natürlich bestellen müssen. Ein paar Tage später hab' ich dann diese Reclam-Ausgabe in Händen gehalten. Nett zu sehen, was ich damals, bei der Lektüre meines ersten Marx-Textes, unterstrichen hab' - heute halte ich das ja für ein Sakrileg gegenüber dem Buch, aus dem diesbezüglich dunklen Zeitalter der späten 90er Jahre hab' ich allerdings ein paar Bücher.
Beim Wiederlesen des Manifests fällt wieder dessen "Drive" auf, das Pamphlethafte der Sprache des Pamphlets. Und natürlich auch die ins Auge stechenden, an Goethes Faust gemahnend x-mal wiedergekäuten klassischen Zitate. Damals wie heute beeindruckt mich der Historische Materialismus, wie er sich in seinen Grundlinien (und grandioser Prägnanz!) hier findet. Und der Befreiungsgedanke. Materialismus und Kritik habe ich aus meinem eklektischen Zugang herausgenommen. Zum Marxisten fehlt mir ja das Interesse fürs Ökonomische. Die Geschichte an sich, die Geschichte des Sozialismus und der sozialistischen ArbeiterInnenbewegung war und ist für mich interessanter als die sozialistische Theorie. Kurz gefaßt bin ich im marxistischen Sinn wohl näher beim "Welt interpretieren" als beim "Welt verändern", auch wenn's darauf ankömmt.


Marx-Ausgaben sind kein besonderer Schwerpunkt meiner Bibliothek, dennoch hab' ich ein paar Manifest-Ausgaben. Neben der Reclam-Ausgabe gibt es das Manifest natürlich auch in einem MEW-Band, nämlich Nr. 4, sogar in einer Erstausgabe des Bandes. Fast skurill ist die aus KPÖ-Umfeld stammende "österreichische Jubiläums-Ausgabe" 150 Jahre Manifest aus dem Jahr 1997 (mit einem sehr interessanten Nachwort "Das Manifest in Österreich"). Highlights sind die beiden Broschüren, ein Heft aus dem sozialdemokratischen Parteiverlag aus dem Jahr 1926 mit einem sehr schönen Vorwort von Max Adler und eine 1945 von der SPÖ herausgegebene Ausgabe aus der Reihe Sozialistische Hefte, die damals nach Kriegsende Grundlagen- und Orientierungsliteratur herausbrachte (hierin gibt es auch ein hervorragendes Glossar).

Karl Marx / Friedrich Engels, Werke. Bd.4., Berlin [DDR] 1959 (Dietz), XV u. 719 S.

Karl Marx / Friedrich Engels / Günther Grabner / Karl Berger, 150 Jahre Manifest. Österreichische Jubiläums-Ausgabe des Kommunistischen Manifestes. Wien 1997 (Uhudla Edition), 76 S.

Karl Marx / Friedrich Engels, Das Kommunistische Manifest. Einleitung von Max Adler. Wien 41926 (Wiener Volksbuchhandlung), 32 S.

Karl Marx / Friedrich Engels, Das Kommunistische Manifest (Sozialistische Hefte: Folge 5). Wien 1945 (SPÖ), 47 S.